Scheidung & Steuern - Versöhnungsversuch

Weshalb führt ein Versöhnungsversuch zu einer günstigeren Steuerklasse ?

Da das Merkmal des dauernden Getrenntlebens in einem Kalenderjahr die steuerliche Zuordnung zu der ungünstigeren Steuerklasse auslöst, kann sich ein Versöhnungsversuch der Ehegatten im Trennungsjahr - auch steuerlich - lohnen.

Grundsätzlich führt der Versöhnungsversuch, d.h. ein erneutes zeitweises Zusammenleben der Ehegatten im Jahr nach der Trennung nämlich dazu, daß das Merkmal des dauernden Getrenntlebens für dieses Jahr nicht mehr gegeben ist und daher nochmals die günstigeren Steuerklassen gewählt werden können.

Wichtig : Das familienrechtliche Trennungsjahr als Voraussetzung für die Ehescheidung wird durch einen kurzzeitigen Versöhnungsversuch nicht unterbrochen.

Die Finanzverwaltung legt aber an einen steuerrechtlich wirksamen Versöhnungsversuch klare Maßstäbe an.

Es muß der nachvollziehbare und belegbare Wille bestanden haben, die eheliche Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft endgültig, vorbehaltlos und auf Dauer wieder neu zu begründen. Ein Versöhnungsversuch von mindestens einmonatiger Dauer kann unter diesen Umständen bereits ausreichend sein. Eine kurzzeitige Rückkehr in die Ehewohnung zum Ehegatten oder ein gemeinsamer Urlaub allein sind somit i.d.R. nicht ausreichend.

Eine vorbehaltlose Wiederaufnahme der ehelichen Lebensgemeinschaft setzt nach Auffassung der Finanzverwaltung voraus, daß der zurückkehrende Ehegatte den vorherigen Auszug dauerhaft wieder rückgängig macht, also z.B. den Mietvertrag über die im Rahmen der Trennung angemietete eigene Wohnung kündigt. Falls bereits ein Scheidungsantrag bei Gericht eingereicht wurde, so akzeptiert die Finanzverwaltung einen Versöhnungsversuch nicht, wenn dieser nicht ebenfalls wieder zurückgezogen wurde.

Andererseits ist es der Finanzveraltung aber untersagt, unnötig in die Privatsphäre der Eheleute einzudringen. Eine Beiziehung der Akten des Scheidungsverfahrens und die u.U. abweichenden Angaben der Ehegatten zum Trennungszeitpunkt dort sollen einem Verwertungsverbot unterliegen.

Die Finanzverwaltung verlässt sich daher - bei übereinstimmenden Angaben beider Ehegatten - meist auf deren Angaben. Diese Behördenpraxis bedeutet aber natürlich keinen Freibrief für unzutreffende Angaben gegenüber dem Finanzamt, da Folge zumindest die Nachforderung der zu niedrig bemessenen Steuern, ggf. auch die Einleitung steuerstrafrechtlicher Ermittlungen sein können.

Haben Sie Fragen ? Wir helfen gerne.

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Eingestellt am 11.02.2008 von RAin Wolf
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2 Kommentare zum Artikel "Scheidung & Steuern - Versöhnungsversuch":

Am 10.12.2012 schrieb (anonym) folgendes:
Nach 6 Jahren Ehe, bin ich dieses Jahr ausgezogen, ab nächsten Jahr müßten wir die Steuerklassen ändern. Wir führen eigentlich eine gute Ehe, aber können nicht miteinander leben und auch nicht ohne einander. Ich möchte meine Wohnung behalten und die halbe Zeit räumlich getrennt sein. Kann ich meine Steuerklasse behalten 3?? oder muss ich unbedingt in einer Wohnung mit dem Partner zusammen leben??
Am 11.12.2012 schrieb RAin Wolf folgendes:
Es kommt nicht darauf an, ob Sie 2 Wohnungen unterhalten, sondern, ob Sie die Ehe fortsetzen als Lebens- und als Wirtschaftsgemeinschaft.

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